Badische Zeitung vom 30.05.2018:

Marga Kiefer aus Denzlingen wird 95 Jahre alt / Jahrzehnte lang aktiv beim Turnverein in Denzlingen.

DENZLINGEN. Frauengymnastik beim Turnverein Denzlingen, das war über Jahrzehnte ein Programmangebot, das untrennbar verbunden war mit Marga Kiefer. Schon früh hatte die gelernte Krankengymnastin, die seit 1960 mit ihrer Familie in Denzlingen wohnte, Kurse für Schwangere und Rückbildungsgymnastik angeboten. Am morgigen Donnerstag feiert Marga Kiefer ihren 95. Geburtstag.

Geboren wurde sie in Lörrach. Eine gute Schulausbildung war ihren Eltern wichtig, und so besuchte sie das Gymnasium, lernte Französisch und erinnert sich heute gerne an eine damalige Briefpartnerin. „Meine Enkelin wundert sich, dass ich Französisch kann“, erklärt sie.

Wenn sie die Koffer packt, dann zieht es die Jubilarin aber viel eher in den Norden. „Meine Großeltern lebten in Schwerin, als wir die besuchten, haben wir eine Fahrt nach Helgoland gemacht“, erzählt sie. Viele Erinnerungen aus der Kindheit sind mit Nord- und Ostsee verbunden. Eine Verbindung, die bis heute hält. Der jährliche Urlaub mit dem älteren von zwei Söhnen auf Rügen ist bis heute ein Höhepunkt für sie. Mitbringsel von der Insel auf dem Balkontisch sind Beweise dafür. Der Balkon, „vor allem wenn Apfel- und Kirschbäume blühen“, ist für die Seniorin, die nicht mehr viel unterwegs sein kann, einer ihrer Lieblingsplätze.

Für Marga Kiefer sind Bewegung und gesunde Ernährung, vor allem Obst, „das Rezept für ein langes Leben“. Und wenn sie heute auch weniger mobil ist: Auf keinen Fall verzichten will sie auf die tägliche Lektüre der Tageszeitung. „Ich kann überhaupt nicht verstehen, wie man ohne sein kann“, betont sie. Weltpolitik und Lokales interessieren sie dabei gleichermaßen. „Wenn ich die Fotos von der Spargelernte sehe, erinnere ich mich an die Zeit in Westpreußen“, erklärt sie. Statt zum Arbeitsdienst einzurücken, hatte sie sich nach dem Abitur für ein hauswirtschaftliches Jahr auf einem Gut entschieden. „Dreimal täglich mussten wir damals zum Stechen aufs Feld“, erzählt sie. Die Kriegsjahre hat sie dann als junge Frau in Lörrach verbracht. „An der Grenze zur Schweiz war da nichts los.“ Gearbeitet hat sie im Lazarett, dann die Ausbildung zur Krankengymnastin aufgenommen und nach dem Krieg eine Praxis eröffnet. In Lörrach hat sie auch ihren Mann, „der in der Nachbarschaft gearbeitet hat“, kennengelernt. 1952 heirateten sie.

Zur Geburtstagsfeier kommt die Familie zusammen. „Einen geraden Weg im Leben gehen, ehrlich, vor allem auch zu sich selber sein, auch wenn es schwer fällt“, das ist ihr Rat an ihre Enkeltöchter.